Der reiche Mann aus MK 10, 17 bis 22 nimmt die Einladung mit ihm in Beziehung zu treten, nicht an und bleibt allein – weil der Ballast seines Lebens ihn im Hafen festhält. Seine Traurigkeit ist das Zeichen dafür, dass er nicht aufbricht.
Manchmal glauben wir, etwas sei Reichtum – aber in Wahrheit sind es bloß Gewichte, die uns blockieren. Die Hoffnung ist, dass auch dieser Mensch – wie wir alle – früher oder später seine Entscheidung trifft und aufbricht in die Weite, dabei hilft ihm das Gebet.
Brüder und Schwestern, vertrauen wir dem Herzen Jesu alle traurigen und unentschlossenen Menschen an, damit sie seinen liebenden Blick spüren – den Blick, der uns mit Zärtlichkeit durchdringt. Franziskus 10. April 2025
Wenn wir beten, wenden wir uns Gott zu. Mit unserer Sprache und unseren Gedanken. Aber auch mit unseren Sinnen. Denn ein Gebet will nicht nur senden, sondern auch empfangen. Es lebt von der Hoffnung, dass Gott uns hört und antwortet. Auch Musik oder Gesang werden als Gebet verstanden, ebenso das Schweigen. Gebete können in vielen Formen auftreten: als Dank, als Bitte, als Lobpreis oder als Klage.
Beten im Christentum hat eine zentrale Bedeutung und ist eine der wichtigsten Ausdrucksformen des Glaubens. Christinnen und Christen beten, um mit Gott in (Verbindung) Beziehung zu treten. Durch persönliche Gebete, gemeinsames Beten im Gottesdienst oder stilles Beten in Deiner Kammer* oder in einer Kirche erleben Christinnen und Christen eine tiefe spirituelle Gemeinschaft, treten in Verbindung zu Gott, finden Trost und Hoffnung in schwierigen Zeiten.
*Matthäus 6,6 rät dazu, beim Beten in die eigene Kammer zu gehen, die Tür zu schließen und dort im Verborgenen zu beten, da Gott, der ins Verborgene sieht, es belohnen wird.
Beten kennt kein Regelwerk. Aber es hilft, sich zu konzentrieren. Am besten beten wir so, wie es sich für uns richtig anfühlt. Manchmal jagen beim Gebet Gedanken wie Blitze durch den Kopf. Oder wir lenken uns selbst immer wieder vom Beten ab. Das sollte uns nicht verunsichern. Wie im normalen Leben gelingt auch das Gespräch mit Gott mal besser und mal schlechter. Beten ist keine Leistungsanforderung. Durch Beten bleibst Du mit Gott in Verbindung.
Wir entscheiden selbst, wo Beten passt: immer dort, wo wir uns an Gott wenden wollen. Beten können wir zu Hause, in der Natur, auf Reisen oder in stillen Momenten des Alltags – denn das Beten kennt keine räumlichen oder zeitlichen Grenzen. Das Gebet ist ein persönlicher Weg, um mit Gott in Verbindung zu treten, unabhängig von unserer Umgebung.
Viele Menschen haben ihre Gebete aufgeschrieben und veröffentlicht. Wenn sie uns gefallen, können wir sie auch nutzen. Manche alten Gebete wie das Vaterunser beten wir oft zusammen in der Kirche im Gottesdienst. Oder eine Person spricht für eine ganze Gruppe ein Gebet.
Wenn wir unsere eigenen Worte finden, ist das die persönlichste Art des Betens. Und wenn uns keine Worte einfallen, dann schweigen wir halt. Beten ist keine göttliche Prüfung. Wir können stammeln, immer wieder dasselbe beten oder Gedankensprünge machen. Vielleicht hilft es, wenn wir zu Beginn des Gebets überlegen, was uns gerade besonders bewegt. Das könnte dann Teil unseres Gebets werden.
Auch Zweifel und Fragen sind Teil des Glaubens und des Gebets. Eine Möglichkeit ist, sich feste Zeiten für das Gebet vorzunehmen. Und die sind beliebig: nach dem Aufstehen, vor dem Essen, nach dem Essen, in der Mittagspause, vor dem Zubettgehen. Rituale helfen, das Beten zum Teil des Alltags zu machen. Beten muss auch nicht viel Zeit in Anspruch nehmen. Ein schneller Dank, ein Stoßgebet der Klage, das können kostbare Augenblicke des Glaubens sein.
Schon die Psalmen im Alten Testament der Bibel zeigen: Es gibt keine Gefühlslage, in der man sich nicht an Gott richten kann. Angst, Verzweiflung, Trauer, Schmerz, Wut, Freude, Dankbarkeit, Glück – alles kann Anlass für ein Gebet sein. Gott liebt uns Menschen mit allem, was uns ausmacht. Darum können wir auch alles vor Gott bringen, was uns bewegt. Ob wir Trost suchen, Hilfe erbitten oder einfach unsere Freude teilen möchten, jedes Gefühl und jede Situation ist wertvoll und hat im Gebet Platz.
... ein Gebet ist unberechenbar. Wie Gott darauf reagiert, bleibt sein Geheimnis. Einige sind ganz sicher, Gottes Antwort zu hören. Anderen genügt der Gedanke, dass alles, was sie gebetet haben, bei Gott gut aufgehoben ist. Auf jeden Fall verändern wir selbst uns durch das Beten. Wer betet, schöpft nicht aus sich allein. Er oder sie vertraut zumindest für einen Moment darauf, mit allem Traurigen und allem Schönen des Lebens bei Gott geborgen zu sein. Und Menschen in Not, für die gebetet wird, berichten immer wieder, wie tröstlich das für sie ist.
Beten stärkt das Vertrauen und die Zuversicht, indem es uns daran erinnert, dass wir nicht alleine sind. Durch das Gebet können wir unsere Sorgen und Nöte loslassen, uns auf uns selbst besinnen und innere Ruhe und Balance finden. Das Gebet kann auch als Mittel der Reflexion dienen, das uns hilft, unsere Gedanken und Gefühle zu ordnen und Klarheit zu gewinnen. Außerdem fördert das gemeinsame Beten das Gemeinschaftsgefühl und die Solidarität unter den Gläubigen.
Selbst wenn wir keine unmittelbare Antwort erhalten, erfahren viele Menschen durch das Beten eine tiefere Verbindung zu Gott und eine Stärkung ihres Glaubens.
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Wann und wo, zu welcher Zeit uns Gott das Erbetende schenkt, obliegt Gott alleine und hängt mitunter von unserer Erkenntnisreife im Glauben ab. Wenn es mir gelingt, Gottes Licht in meiner Wahr-nehmung zu erkennen, öffne ich meinen Blick für das, was Gott mich sehen lassen möchte.
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