Gibt es religiöse Pflichten für einen Christen?


ver-wandeln

           zuhören                Gemeinschaft bilden              Wandlung                       austauschen                 unterwegs sein


Viele Christen oder Nicht-Christen glauben ein Christ müsse sich verpflichtend an die zehn Gebote in der Bibel halten. Es gäbe ein Gesetz vor Ostern zu fasten oder zum sonntäglichen Gang in die Kirche (jetzt in der Coronazeit ist von der Sonntagspflicht, die ausgesetzt wird, immer noch seitens der Bischöfe die Rede, als sie die Krisen-Bedingungen den Pfarreien Anfang Mai 2020 mitteilten.)

Eine "sogenannte religiöse Pflicht" ist alles andere, nur nicht christlich. Sie ist sehr weit von der Wahrheit, die Christus uns lehrte, entfernt!

 

Im Kern des christlichen Glaubens steht die frohe Botschaft, die durch den Erlösungsakt Jesu alle religiösen Pflichten von des Christen Schultern genommen wurden. Der Christ wurde befreit vom Gesetz, das Pflichten vorgibt, um Gott zu gefallen.

 

Der Christ versteht sich als Kind Gottes, als Sohn oder Tochter, die als Freie (Freunde) an den Tisch des himmlischen Vaters treten dürfen. Eine Gesetzesreligion hingegen glaubt, dass nur diejenigen das Himmelreich sehen dürfen, wenn alle religiösen Pflichten kleinlichst befolgt werden.

 

Christen dagegen glauben das Himmelreich, das im hier und jetzt beginnt, hängt nicht an ihrer Pflichterfüllung, da die menschliche Natur gar nicht stark genug ist alle religiösen Pflichten erfüllen zu können. Die Erlösung schenkt alleine Gott. Das bedeutet:

 

Wir erfahren den Himmel auf Erden, indem wir seinem Sohn, Jesus Christus, vertrauen und unsere Hoffnung darin gründet, durch den Glauben die Gnade Gottes zu empfangen. Weil der Christ dem Sohn Gottes vertraut wird er mit Gott versöhnt, obwohl er nie göttliche Perfektion erreichen wird. Seine Gottferne (Sünde) wird ihm vergeben.

 

Kurzum christliche Überzeugung ist: Wir werden nicht gerecht, indem wir alleine Gerechtes tun. Gott macht uns gerecht durch unseren Glauben. Mit anderen Worten, aus eigener Anstrengung werden wir Gerechtigkeit nie erlangen können. Gott hat den Überblick. Unsere Aufgabe ist es unser Leben seiner Führung zu überlassen und zu vertrauen.

 

Paulus sagt: Ihm (dem Christ) ist ALLES erlaubt. Rein theoretisch gibt es nach dieser Aussage keine Pflichten, die der Christ befolgen müsste. Der entscheidende Punkt ist: Nicht alles menschliche dient dem Guten. Der Christ ist als Nachfolger Jesus aufgerufen Licht für die Welt zu sein, das Gute und Göttliche in die Welt hineinzutragen, siehe auch allgemeine Priesterschaft.


Der Mensch kann die Existenz des Schlechten in der Welt nicht wegdiskutieren. Gutes und Böses stehen nebeneinander. Gott will, dass sich das Gute verbreitet, dem Bösen, das in der Gottesferne (Sünde) wirksam ist, setzt er Schranken z.B. durch das Gebot „Du sollst nicht töten“. Dieses Gebot hat für uns alle einen einleuchtenden Sinn. Die ganze Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass alle seine Mitglieder es einhalten, selbst wenn sie nicht den mosaischen Geboten auf die alte religiös-gesetzliche Weise folgen.

 

Das heißt: Ein wahrhafter Christ befolgt die Gebote nicht als eine bloße religiöse Pflicht. Denn bei einer bloßen Pflicht wird man irgendwann schwach und sündig. Auf Dauer können wir nichts befolgen, das nicht aus unserem Innersten kommt. Eine Pflichterfüllung ist demnach ein äußerlicher Akt, zu dem wir uns zwingen müssen. Er endet in Heuchelei und wird irgendwann gebrochen. Bei gesetzlicher Pflichterfüllung kreieren wir eine fromme Fassade ohne Substanz. Diese wird bröckeln, sobald wir uns in einer Krise, z.B. in der Corona-Krise, befinden.

 

Es benötigt etwas tiefgreifenderes als nur den äußerlichen Akt: Eine innere Verwandlung. Der Christ glaubt, dass diese Wandlung ihm von Gott geschenkt wird:

 

Die Liebe Gottes zieht in Form des Heiligen Geistes in die Herzen der Gläubigen ein. Wer diese Liebe Gottes im Herzen trägt, der WILL gar nicht mehr töten, stehlen, ehebrechen…Dieses Bedürfnis hat neben dem Heiligen Geist keinen Bestand, da fortan die Liebe Gottes das Herz regiert. Dies geschieht bei einigen wenigen auf einen Schlag während des Bekehrungsmoments, oft jedoch ist es ein langer, nicht selten ein lebenslanger Prozess.

 

Die innere Verwandlung braucht die Mitwirkung des Gläubigen, in dem er dem Heiligen Geist in sich Raum gewährt. Die Gebote werden in Folge dieser Veränderung, Geisteshaltung, eingehalten, gerade weil sie nicht pflichtmäßig befolgt werden müssen. Pflichterfüllung kann nicht eigenständig denken sondern nur Befehle befolgen, der Heilige Geist dagegen reagiert situativ auf die individuelle Begebenheit.

 

Fazit: Das Gerechte zu tun ist im Christentum keine religiöse Pflicht. Das Gerechte zu tun ist eine Frucht/Auswirkung… der Liebe, die ein Christ durch seinen Glauben geschenkt bekommt (Gnade). Der Christ muss sich nicht zum Guten zwingen, aller Zwang wurde am Kreuz persönlich durch Jesus Christus aufgelöst, stattdessen wurde von Gott persönlich eine Sehnsucht nach Gutem in den Menschen hineingelegt und das Innerste wird verwandelt.

(aus ...utopiosmessage.com/2015/07/18/religioese-pflichten-eines-christen/)


Augustinus sagte:

Liebe … und tue, was du willst.